E-Videa Heilpraktikerpruefung
Heilpraktikerforum

Diana Kugelmann - KugelDiana@gmx.net

Sozialpädagogin

 
Tagebuch eines Volontärs im Muskan Viklang Trust in Bodhgaya, Indien
 
Erste Eindrücke
 
Inzwischen habe ich mich in Bodhgaya etwas eingelebt, und meine Arbeit als Volontär im MVT hat begonnen. Mit einer kleinen Willkommensparty wurde ich von den Mitarbeitern und den anderen Volontärs herzlich begrüßt.
 
Sieben Inder, davon drei selbst von Polio betroffen, arbeiten hier. Im MVT in Bodhgaya, was auch gleichzeitig das Wohnhaus von Rakesh, dem Chairman des Vereins ist, befindet sich eine winzige Werkstatt, in der Stützen, Schienen und andere Hilfsmittel hergestellt werden.
 
Morgens so um halb neun beginnt der Arbeitstag. Wir fahren montags bis freitags in die Behandlungsdörfer (1-2 pro Tag), meistens zu dritt auf einem Motorrad. Die teilweise doch recht langen Fahrten sind bei den schlechten Strassenverhältnissen und dem chaotischen Verkehr nicht immer angenehm. Dafür gibt es jede Menge Interessantes aus dem indischen Alltagsleben und schöne Landschaften voller Reisfelder und Palmen zu sehen.
 
Bei den Behandlungszentren handelt es sich teilweise um kleine Arztpraxen, meistens aber um Gemeindehäuser und leerstehende Gebäude, wo schon Patienten auf uns warten. Die Patienten werden dann erst mal von den Mitarbeitern des MVT akupunktiert und an die Nadeln werden häufig Elektrostimulationsgeräte angeschlossen. Nach einer halben Stunde bis Stunde werden die Nadeln entfernt und die Patienten werden physio- und ergotherapeutisch behandelt.
Danach fahren wir zum TRUST zurück uns spielen dort alle zusammen noch ein paar Runden Volleyball, um den Tag ausklingen zu lassen.
 
Angekommen
 
Schon sind einige Wochen vergangen und ich habe einen guten Einblick in die Arbeit des MVT bekommen. Es ist toll zu sehen und zu hören, welche Behandlungserfolge bei den Patienten da sind und mit welch einfachen Mitteln das Leben der behinderten Menschen so stark verbessert werden kann. Letzte Woche habe ich eine junge Frau kennengelernt, die an Polio leidet und jetzt dank der Behandlung trotz ihrer Behinderung heiraten wird.
Sowohl für die Patienten wie auch die Mitarbeiter im TRUST bieten sich tolle Chancen. Die Mitarbeiter sind größtenteils sehr motiviert, und es herrscht eine schöne Arbeitsatmosphäre. Sie fragen nach unseren Erfahrungen, nehmen Ratschläge jederzeit gerne an und setzen sie in der Therapie auch gleich um. Das ist schön zu sehen.
 
Die Mittel der Therapie sind extrem einfach, die meisten Patienten werden auf den Boden behandelt, an Therapiematerial kann auf den Motorrädern nur das Nötigste mitgenommen werden.
 
Wir Volontärs haben auch mit der sprachlichen Barriere zu kämpfen. Auf den Dörfern spricht praktisch niemand Englisch und wir sind auf die indischen Mitarbeiter angewiesen. Leider mangelt es auch da bei vielen an entsprechenden Englisch-Kenntnissen. 
 
Wo wir ebenfalls einen großen Bedarf sehen, ist die fachliche Ausbildung der indischen Mitarbeiter. Jeden Samstag findet unsere interne Fortbildung statt, bei der wir versuchen, entweder theoretisch z.B. anatomische Themen zu erklären oder auch praktische Übungen zu machen. Wir haben auch schon neue Therapiematerialen hergestellt, die wir aus möglichst einfachen Mitteln machen und als Anregung auch an Angehörige der Patienten vermitteln wollen (z.B. einfache Bälle aus gefüllten Luftballons, Teigrolle oder kleine gefüllte Kissen).
 
Auch ein Skript für jeden Mitarbeiter möchten wir zusammenstellen, damit nicht wieder alles verloren geht.
 
Viel beschäftigen mich jetzt auch die Fragen rund um das neue Projekt in Nawada, einer Stadt etwa 80 km von Bodhgaya entfernt. Dort wurden Räumlichkeiten angemietet, wo ab Mitte November auch umfangreichere stationäre Behandlung von Patienten möglich sein wird. Hier gibt es die Möglichkeit Ideen einzubringen und beim Aufbau und der Einrichtung des Zentrums mitzuwirken. Vor zwei Wochen haben wir uns das alles vor Ort schon mal angesehen. Die Räumlichkeiten liegen ideal, eingebettet in ein Gebäude in dem mehrere Ärzte praktizieren. Auch ein beim MVT angestellter Arzt wird dort mit seiner Arbeit den Verein unterstützen.
Leider sind die Räume sehr dunkel und es gibt in Nawada ein großes Stromproblem. Wir suchen derzeit noch nach verschiedenen Möglichkeiten dieses Problem innerhalb des engen finanziellen Rahmens zu lösen.
 
Alles in allem kann ich sagen, dass es toll ist zu sehen welch tolle Arbeit hier gemacht wird und was in den vergangenen Jahren schon geschehen ist. Ich bin froh, dass ich den MVT mit meiner Tätigkeit hier unterstützen kann. Es gibt aber noch viel zu tun, sowohl für Volontäre als auch für diejenigen, die den MVT finanziell unterstützen möchten.
 
Diana Kugelmann
Diana (links außen) mit Rajesh und Ajay vom MVT Team am Eingang des Gebäudes vom Tochterprojekt in Nawada)