Mathias Ziegler - tommivercetti5052001@yahoo.de

Physiotherapeut

 
Hallo, ich heiße Mathias Ziegler , bin Physiotherapeut und arbeitete für ca. 6 Monate bei Muskan Viklang ehrenamtlich in Indien.


Da dies mein erster Indienaufenthalt ist war es nicht immer einfach, obwohl ich schon ein wenig rumgekommen bin, hab ich wahrscheinlich doch einen kleinen Kulturschock erlitten. In Indien ist vieles anders, vor allem in Bihar, dem ärmsten Bundesstaat von ganz Indien. Die Leute leben hier hauptsachlich von der Landwirtschaft, ein grossteil der Leute sind Analphabeten und haben wenig oder keine Schulbildung, was die Arbeit bzw. das Erläutern und Erklären von Übungsaufgaben bzw. wie die Mutter ihr Kind zu handeln hat, es etwas erschwert, es aber nicht unmöglich macht.
 
Ich arbeite hier in einem Team von sieben Mann, 3 davon haben selbst Kinderlahmung, sie arbeiten meist in der Werkstatt, stellen dort Schienen und Gehilfen her, kommen aber auch manchmal mit in die Dörfer um beim therapieren zu helfen. Ich hab alle Achtung vor ihnen, wie sie trotz ihrer Erkrankung diesen Job machen und auch längere Fahrten auf dem Moped problemlos mitmachen. Alle im Team beherrschen Elektroakupunktur, welche einen sehr großen teil der Therapie ausmacht, des Weiteren können sie noch krankengymnastische Techniken wie z.B. Vojta. Samstag ist immer Unterrichtstag, da gebe ich mir immer alle Mühe ihr Wissen etwas zu erweitern. Das ganze machen wie in unserem kleinen Zentrum in Mahua Bad, welches so etwa einen Kilometer von Bodhgaya entfernt liegt. Das Zentrum ist zugleich auch das Zuhause von Rakesh, dem indischen Leiter des Trust und von drei anderen Mitarbeitern. Ich muss sagen Rakesh macht seine Arbeit echt klasse, er ist sehr hilfsbereit und loyal und die Patienten liegen ihm sehr am Herzen. Solche Leute sind hier wirklich rar. Meistens bin ich nach der Arbeit auch noch bei ihm zum Essen eingeladen, seine Frau macht leckere Chapati-brote und dazu gibt’s immer ein super scharfes Gemüse.
 
Morgens um 8.30 treffen wir uns im Zentrum bepacken die Mopeds und dann geht’s auf in die Villages. Wir haben drei Mopeds (wobei meist aber nur 2 funktionieren, sind alles second hand maschinen , die dadurch etwas anfällig sind, manchmal muss man dann auch etwas schieben) mit denen wir 2 Gruppen bilden. Jede Gruppe schafft an einem tag 1 -2 Dörfer (meist 2), das macht dann insgesamt in der Woche ungefähr an die 500 Patienten, was echt eine Menge ist. In den Dörfern behandeln wir in alten Schulen oder in Arztpraxen, quasi wo immer ein freier und großer Raum zur Verfügung steht. Behandelt wird auf dem Boden was manchmal auf den Rücken geht. Behandelt werden Kinder mit Polio, Cerebral Parese, Muskeldystrophien. Auch Erwachsene  mit neurologischen Erkrankungen werden natürlich behandelt (z.B. Schlaganfälle). Ich hab den Eindruck dass hier in Bihar die Kinder neurologische Erkrankungen haben wie die Kinder bei uns Zahnspangen.
Während meines ersten Arbeitstages dacht ich jetzt fertig arbeiten und dann schnell heim ins Bett und weinen, nicht weil mich die vielen Krankheiten und das Leiden so schockiert haben, nein sondern weil die Kinder trotz ihrer Erkrankung und Armut noch so lachen können.
Gestern hatte ich einen Kanadier zum zuschauen dabei, er war mitte vierzig und war schon lange in Indien. Nach diesem Tag sagte er mir, dass er schon vom zuschauen fertig wäre, wie ich das jeden Tag machen konnte, soviel Leid und Armut zu sehen.

Mathias Ziegler